Kooperation mit dem Kinderschutzbund Dortmund für die Prävention von sexualisierter Gewalt

In einer Kooperationsvereinbarung mit dem Kinderschutzbund Dortmund haben wir unseren gemeinsamen Einsatz gegen sexualisierte Gewalt offiziell gemacht. Dieser Schritt soll auch zur Enttabuisierung des Themas beitragen. Justo Moret, erster Vorsitzender der LAG Tanz NRW, betont: „Den Gedanken muss man erstmal zulassen können: Vielleicht ist mein Kind an irgendeiner Stelle in seinem Leben Gewalt ausgesetzt.“ Das ist für viele Menschen schwierig – egal, ob für Eltern, Pädagog*innen oder andere Vertrauenspersonen: „Mit rund sieben Erwachsenen muss ein Kind im Schnitt sprechen, bis seine Berichte von Gewalterfahrungen ernst genommen werden. Das ist zu viel!“, sagt Martina Furlan, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Dortmund.

Unterzeichnung des Kooperationsvertrags mit (v.l.n.r.) Martina Furlan, Miriam Schupp, Nilüfer Kemper, Justo Moret. Foto: Sarah Rauch

Das finden wir auch – und haben deswegen ein Schutzkonzept entwickelt, in dem konkrete Präventionsmaßnahmen, Kommunikationswege und Handlungsleitfäden für die eigenen Tanzprojekte festgeschrieben sind. „Nur so können wir Pädagog*innen, die in unserem Auftrag Tanzprojekte realisieren, bestmöglich dabei unterstützen, betroffenen Kindern und Jugendlichen schnell und wirksam zu helfen“, erklärt Bildungsreferentin Miriam Schupp, die das Konzept hauptverantwortlich entwickelt hat. Die Kooperation mit dem Kinderschutzbund als kompetente Fachberatungsstelle sei dabei unverzichtbar. Und Martina Furlan ergänzt: „Stellt sich heraus, dass ein Kind Opfer von Gewalt geworden ist, ist die Situation nicht nur für die Betroffenen schwierig und hoch belastend. Auch Menschen in Institutionen werden mitgerissen von der Dynamik und dem Gefühl, sofort etwas tun zu müssen. Dann kann es hilfreich sein, auf Kooperationen zurückzugreifen, die schon bestehen und sich nicht erst auf die Suche machen zu müssen.“

Foto: Sarah Rauch

Ein wichtiger Baustein der Präventionsarbeit ist die Ermutigung von Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern, sexualisierte Gewalt zu erkennen und sich selbstverständlich Hilfe zu holen. Dafür haben wir drei Flyer herausgebracht – gemeinsam mit der Landesvereinigung Kulturelle Jugendarbeit NRW, gefördert vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration NRW. So wehren sich in dem bunt illustrierten Flyer für Kinder zwei tierische Helden gegen unangenehme Situationen und zeigen dabei klar, wo ihre Grenzen liegen: „Wenn mich jemand anfasst, obwohl ich das nicht möchte… dann sage ich: Nein! Das will ich nicht!“

Der Flyer für Jugendliche wurde von einer Gruppe junger Frauen zwischen 15 und 20 Jahren gestaltet. In Zusammenarbeit mit dem JKC – Jugend- und Kulturcafé Dortmund und der Künstlerin Hülya Özkan arbeiteten sie an zwei Terminen daran – und kamen dabei schnell in den Austausch über ganz persönliche Situationen, in denen die eigenen Grenzen überschritten wurden. Die Erfahrungen flossen ungeschönt in die entstandenen Zeichnungen mit ein. Außerdem gestalteten sie die Hintergrundgrafik und das Titelblatt des Flyers.

Der Flyer für Eltern soll dabei unterstützen, den Gedanken zuzulassen, dass das eigene Kind möglicherweise Gewalt ausgesetzt sein könnte: auf dem Schulweg, beim Sport oder sogar im eigenen Zuhause. Der Flyer kommt fast ohne Sprache aus und kann deswegen von Eltern mit unterschiedlichen Sprachhintergründen verstanden werden.

Die Flyer für Kinder, Jugendliche und Eltern können bei unserer Geschäftsstelle bestellt werden.

Mit Fachtagen und Workshops werden wir auch in Zukunft auf die Prävention sexualisierter Gewalt aufmerksam machen, damit Pädagog*innen noch sicherer handeln können – und damit Kinder und Jugendliche, die von Gewalt betroffen sind, schneller gehört und unterstützt werden.